Lieber Martin,

seit dem 13. September bist Du der neue Hausleiter des Heinrich Lübke Hauses. 

 

Was reizt Dich besonders an dieser neuen Aufgabenstellung?

 

Das Heinrich-Lübke-Haus bietet seinen Gästen vielfältige Angebote und Möglichkeiten. Bildung, Erholung, Entspannung sind ja nur einige Schlagworte. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses möchte ich Bewährtes weitertragen und Neues entwickeln. Es reizt  mich also, Bildungsangebote und Freizeitmöglichkeiten unter einem Dach sowohl in Kombination als auch einzeln zu planen und durchzuführen.

           

 

Welche Erfahrungen bringst Du aus Deiner bisherigen beruflichen Tätigkeit für diese neue Aufgabe mit?

 

Meine gesamte berufliche Tätigkeit vollzog sich im Rahmen von Bildung und Weiterbildung. Begonnen habe ich 1989 als Jugendbildungsreferent der Kolpingjugend Paderborn. Dann bin ich 2002 in die Erwachsenenbildung bei Kolping gewechselt und habe den Schwerpunkt „Familienbildung“ übernommen. Im Jahre 2009 wurde ich Abteilungsleiter für die Erwachsenenbildung beim Kolping-Bildungswerk Paderborn. Zuletzt war ich Einrichtungsleiter und Prokurist einer Einrichtung der beruflichen Bildung, dem Kolping-Bildungszentrum im Kreis Soest. Hier musste ich allerdings feststellen, dass mir die gemeinwohlorientierte Bildungsarbeit fehlte. Und so habe ich mich auf diese neue Position beworben.

 

 

Du hast schon erste Eindrücke aus dem Leben und Arbeiten hier im Heinrich Lübke Haus sammeln können. Hat Dich da etwas besonders überrascht oder beschäftigt?

 

Die ersten Tage haben mich positiv überrascht. Ich treffe hier auf ein angenehmes und kollegiales Betriebsklima. Die Gäste in dieser Zeit waren zum überwiegenden Anteil auch nicht zum ersten Mal im Haus. Das zeigt, dass das Heinrich-Lübke-Haus viele Stammgäste hat. Die Atmosphäre und die Umgebung sind sehr einladend. Natürlich gibt es noch das eine oder andere zu tun, insbesondere in der Ausstattung und im Rahmen von Renovierungen. Aktuell planen wir beispielsweise eine WLAN-Abdeckung im gesamten Haus.

 

 

Man sagt ja: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“.

Wie, glaubst Du, muss sich das Heinrich Lübke Haus auf veränderte Freizeit- und Urlaubsgewohnheiten der Menschen einstellen?

Gibt es da schon erste Ideen und Überlegungen?

 

Eines habe ich gerade ja schon indirekt angesprochen. Das Freizeitverhalten der Menschen wird immer mehr von digitalen Medien bestimmt. Eine Studie zeigt, dass sechs der zehn häufigsten Freizeitaktivitäten durch Medien geprägt sind. Persönliche Kontakte und Begegnungen werden geringer. Man soll diesem Trend natürlich nicht blind hinterherlaufen, aber das Angebot muss sich zumindest an der Nachfrage orientieren. Wir werden in diesem Zusammenhang natürlich auch weiterhin Bildungsprogramme zur Nutzung von digitalen Medien begleitend anbieten. Damit sind dann auch reale Begegnungen möglich.

Ein weiterer Faktor ist, dass die Deutschen mehr Urlaub mit kürzerem Aufenthalt machen. Eine Familie wird also nicht mehr ihren Urlaub für zwei Wochen im Heinrich-Lübke-Haus verbringen. Darauf müssen wir uns ebenfalls einstellen. Positiv ist allerdings, dass die Deutschen ihren - verkürzten - Urlaub auch weiterhin gerne im eigenen Land verbringen. Das spielt uns natürlich nicht nur aufgrund unserer besonders reizvollen Lage in die Karten.

 

 

Unser Haus legt großen Wert auf Bildung, auf lebenslanges Lernen.

Die Heimvolkshochschule bietet Seminare für unterschiedliche Zielgruppen zu verschiedenen Themen an.

Was ist Dir an der Bildungsarbeit besonders wichtig?

Welche Impulse möchtest Du hier gerne setzen?

 

Bildung ist nicht nur die Vermittlung von Wissen. Es geht vor allem auch um die Entwicklung einer eigenen Persönlichkeit und um das Ermöglichen einer eigenständigen Lebensführung. Dieser Anspruch an den Menschen gilt ein Leben lang. Unsere Bildungsarbeit soll den Menschen befähigen, das Prinzip „sehen – urteilen – handeln“ für sich umzusetzen. Das Programm der Heimvolkshochschule Heinrich Lübke greift diesen Anspruch auf. Die inhaltlichen Schwerpunkte decken ab, was Menschen für ihr persönliches Leben benötigen. Ich selbst möchte zukünftig vor allem im Bereich der beruflichen Fort- und Weiterbildung noch neue Impulse und Akzente setzen. Hier - wie auch in den anderen Schwerpunkten - spielt die Digitalisierung der Bildungsarbeit eine große Rolle. Auch auf diese Herausforderung müssen wir reagieren.

           

 

Die Kirche und auch die kirchlichen Verbände wie KAB, Kolping, kfd sind einem starken Wandlungsprozess unterzogen.

Welchen positiven Beitrag kann eine Einrichtung wie das Heinrich Lübke Haus in diesen Veränderungsprozessen setzen?

 

In der Presse ist immer wieder zu lesen, dass die Kirche schrumpft und ihren Einfluss verliert. Objektiv betrachtet ist das wohl auch so. Und ebenso ergeht es den katholischen Verbänden. Alleine die Betrachtung der Entwicklung von Mitgliedszahlen macht nachdenklich. Obwohl Zahlen nicht alles sind.

Unter dem Stichwort „Werteorientierte Bildungsarbeit“ sollten wir zeigen, dass christlicher Glaube und Verantwortung für die Welt in allen Lebensbereichen zusammengehören. Durch unsere Angebote wie beispielsweise das Morgen- und Abendlob, bringen wir Glauben und Alltag zusammen. Durch unser eigenes Mensch- und Christsein bieten wir unseren Teilnehmerinnen und Teilnehmern Orientierung. Sie verbringen ja meist mehrere Tage im Heinrich-Lübke-Haus und können so selbst erleben, dass soziale Gerechtigkeit, Gleichberechtigung, Eigenverantwortung und Solidarität sowie Emanzipation und Humanität für uns eine große Rolle spielen. Und das kann und wird hoffentlich in ihren Alltag vor Ort ausstrahlen. Weiterhin haben wir erst vor kurzem darüber gesprochen, die Anliegen der KAB durch begleitende Bildungsveranstaltungen hier im Haus stärker zu unterstützen. Auch hier ergeben sich dann Möglichkeiten zur Weiterentwicklung von KAB-Gruppen vor Ort.

 

 

Wenn wir ein Jahr weiter sind – was hoffst oder erwartest Du, bis dahin erreicht zu haben?

 

Ich hoffe, dass mein erster positiver Eindruck von heute sich in einem Jahr weiterhin bestätigt hat. Gewiss werde ich in den kommenden Monaten hier nicht alles von Grund auf umkrempeln. Vielmehr möchte ich gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Visionen entwickeln und erste Ideen zur Umsetzung erarbeiten. Das Bildungsprogramm für das Jahr 2018 ist im Übrigen ja schon erhältlich. Hier sind tolle Veranstaltungen veröffentlicht. Darauf lässt sich sehr gut aufbauen.

Hinzu kommt, dass ich dann bestimmt sehr viele Menschen kennengelernt habe. Dazu zählen Gäste des Hauses, KAB-Gruppen, Verantwortliche in Kirche, Politik und Gesellschaft - sowohl regional als auch überregional. Das so neu geknüpfte Netz trägt dann hoffentlich für viele Jahre.

 

 

Wenn Du einfach mal Freizeit genießen kannst – womit beschäftigst Du Dich dann gerne?

 

Meine Frau und ich pflegen einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Da sind natürlich Besuche und Gegenbesuche wichtig. Darüber hinaus entspanne ich mich nach langen Arbeitstagen gerne mit einem guten Kriminalroman bei einem Glas Rotwein. Und wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, ist Wandern, Fahrradfahren und Skifahren meine aktive Freizeitgestaltung.

 

 

Zum Schluss eine Frage zur „Westfälischen Ökumene“, wenn es nicht zu privat ist: Wofür schlägt Dein Herz? Borussia Dortmund oder Schalke 04? Oder vielleicht sogar für einen anderen Club?

 

Ich bin im Ruhrgebiet groß geworden. Kindheit und Jugend habe ich in Dortmund-Derne verbracht. Da wurde mir ein schwarz-gelber Wimpel quasi schon mit in die Wiege gelegt.

Seit längerer Zeit bin ich daher schon Mitglied bei Borussia Dortmund und habe seit einigen Jahren auch eine Dauerkarte. Ich bin allerdings kein „Ultra“, sondern schätze einen respektvollen Umgang mit anderen Fans bei aller sportlicher Rivalität. Das schließt gelegentliche Frotzeleien natürlich nicht aus.

Der BvB entwickelte sich im Übrigen aus einer Jugendorganisation der katholischen Dreifaltigkeitsgemeinde in Dortmund. Und das erste Trikot war blau-weiß.

Letzteres muss es aber nicht erneut geben…