Kirsten Tischer ist neue Geschäftsführerin des Heinrich Lübke Hauses
Neue Perspektiven für die Ferien-, Bildungs- und Tagungsstätte
Die Berge waren schön, keine Frage. Aber Familie und Freunde fehlen eben doch irgendwann. Kirsten Tischer kehrt aus Österreich zurück ins Sauerland und übernimmt seit dem 1. Dezember - zunächst gemeinsam mit Martin Weimer - die Geschäftsführung des Heinrich Lübke Hauses am Möhnesee.
Möhnesee (hob) Ein kalter Dezembermorgen hoch über dem Möhnesee. Durch die großen Fenster des Heinrich Lübke Hauses fällt milchiges Licht auf die Holzvertäfelung im Flur. Kirsten Tischer steht in der Cafeteria. Dort, wo sie früher nach Mountainbike-Touren gerne auf ein Stück Kuchen vorbeikam. Jetzt ist sie die Chefin. Die gebürtige Soesterin hat als neue Geschäftsführerin eine ziemlich klare Vorstellung davon, was hier passieren muss.
Fast neun Jahre leitete die 55-Jährige den Fachbereich Personal bei den drei katholischen Kita gGmbHs des Gemeindeverband Mitte im Erzbistum Paderborn. Als Prokuristin trug sie zudem einen Teil der Gesamtverantwortung. Vorher bei der Wirtschaftsförderung im Kreis Soest, ebenfalls in leitender Position. Dann der radikale Schnitt: eine kleine Hotelgruppe in Österreich. Nach einer Insolvenz erforderte u.a. das Triforêt Alpinresort einen kompletten Neuaufbau. Personal, Finanzen, Service, Housekeeping. Alles musste neu organisiert werden. Zuletzt das Hotel am Badersee an der Zugspitze. Ein Jahr lang lebte Kirsten Tischer ihren Traum, in den Bergen zu arbeiten. Dort, wo andere Urlaub machen.
Warum sie zurückkam? Die Antwort kommt ohne Zögern. „Familie und Freunde haben mir gefehlt. Und dann ergab sich diese Perspektive am Möhnesee.“ Eine, die sie beruflich reizte. Das Heinrich Lübke Haus steht vor Herausforderungen, die für jedermann sichtbar sind. Modernisierung steht ganz oben auf der Liste. Die Power-Frau spricht offen darüber. „Das Haus braucht frischen Wind. Neue Ideen. Investitionen. Und das ist nicht mit ein paar Pinselstrichen getan.“
Was unterscheidet sie von ihrem Vorgänger Martin Weimer, der im Frühjahr in den Ruhestand geht? Kirsten Tischer bringt den Blick von außen mit. Den Blick des Gastes. Sie sieht die kleinen Dinge, die das Team vielleicht längst übersieht. Zu lange im gleichen Haus, zu vertraut mit den Strukturen. Das kann ein Nachteil sein. Ihr Vorteil: Sie kommt aus der Hotellerie, hat ihre Ausbildung dort gemacht. Ihre erste berufliche Station war das Landgasthaus „Zum Tackeberg“, direkt hier am Möhnesee. Das Dienstleistungsgen, wie sie es nennt, sitzt tief.
Die Übergangsphase mit ihrem Vorgänger empfindet sie als wertvoll. Drei Monate gemeinsam in der Geschäftsführung, das gönnen sich nicht viele Unternehmen. Sie kann von seinen Erfahrungen lernen, besonders in den Bereichen Heimvolkshochschule und Pädagogik. Dort hat der scheidende Hausleiter seine ganz persönlichen Spuren hinterlassen. Kirsten Tischer hingegen bringt weitere Stärken mit ein: strategisches Denken, konzeptionelles Arbeiten, Personalführung. Und das berufliche Engagement in Österreich, das ihr mehr gebracht hat als nur Bergluft.
Was macht das Heinrich Lübke Haus besonders? „Das Team arbeitet gut zusammen. Die Gäste sollen sich wohlfühlen. Es gibt ein Schwimmbad, eine Sauna, verschiedene Spielbereiche. Das Außengelände bietet Platz für Aktivitäten. Und dann ist da diese Lage. Mitten in der Natur, umgeben von Wald und Wasser. Fast wie in Österreich, nur leider nicht so hoch“, sagt sie und lächelt.
Die Modernisierung lässt sich nicht von heute auf morgen stemmen. Finanzielle Mittel sind nötig. Deshalb beginnt Kirsten Tischer an kleinen Stellen. Gemeinsam mit dem Team soll es gemütlicher werden, ansprechender für die Gäste. Das Wichtigste: Die Mitarbeitenden ziehen mit. Sie wollen anpacken, das Haus strategisch für die Zukunft aufbauen. Ohne diese Bereitschaft wäre ihr Job deutlich schwieriger.
Ihre drei erwachsenen Söhne haben die beruflichen Kapriolen ihrer Mutter mit gemischten Gefühlen verfolgt. Den guten Job bei den WIR-Kitas aufzugeben, konnten sie zunächst nicht nachvollziehen. Aber sie unterstützten sie trotzdem. Und sind jetzt froh, dass Mama wieder da ist.
Die begeisterte Freizeitsportlerin kann sich stundenlang auf dem SUP auf der Möhne fortbewegen oder mit dem Mountainbike durch die Wälder fahren. Die Natur hier zieht sie an. Sogar die Veränderungen durch Kyrill und den Borkenkäfer empfindet sie als bereichernd. Eine andere Landschaft ist entstanden. Weite Blicke, die es vorher nicht gab.
Weiterbildung gehört zu ihrem Leben dazu. „Train-the-Trainer“, Führungsseminare, Arbeitsrecht, sogar Brandschutzwart ist sie. Teils aus Freude am Lernen, teils aus strategischen Gründen. Lebenslanges Lernen nennt sie das. In Österreich war der Brandschutz schlicht Pflicht für die Hotelverantwortliche.
Gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung und dem Tourismusverband Möhnesee entsteht hinter dem Heinrich Lübke Haus eine neue Disc-Golf-Anlage. Kleine Schritte, die das Angebot erweitern. Für Menschen die das Haus hoch über dem Möhnesee noch nicht kennen, hat Kirsten Tischer einen Tipp: „Kommen Sie vorbei, auf ein Stück hausgemachten Kuchen oder um die Atmosphäre zu genießen. Die Fortschritte bei der Modernisierung werden die Besucher bei jedem weiteren Besuch erleben können.“ Das Heinrich Lübke Haus ist in Bewegung. Und Kirsten Tischer mittendrin.
Autor: Holger Bernert
Martin Weimer
Seit September 2017 ist Martin Weimer Leiter des Heinrich-Lübke-Hauses.
Er wurde am 06. März 1961 in Lünen geboren und ist in Dortmund aufgewachsenen. Als Diplom-Sozialpädagoge hat er bisher stets im Arbeitsfeld "Bildung und Weiterbildung" gearbeitet. Gestartet ist er in der verbandlichen Jugendbildung, dann folgte die allgemeine Erwachsenenbildung mit dem Schwerpunkt "Familienbildung". Bis 2017 war er Einrichtungsleiter und Prokurist einer Einrichtung der beruflichen Bildung.
Martin Weimer ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Er wohnt mit seiner Frau in Soest.
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